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Weiter interessanter Beitrag: Cora Halder, Deutsches Down-Syndrom InfoCenter: Von Erwartungen, Möglichkeiten und Ressourcen
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KIDS-Aktuell 15 / 2007
Schule
Weitere Beiträge zum Thema:
Schule Lokstedter Damm - Eine staatliche Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung stellt sich vor
Schule unterm Kirchturm - Integrationsklassen der Bugenhagen-Schulen: eine Initiative der Evangelischen Schulstiftung Hamburg e.V.
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Pränataldiagnositik
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KIDS Aktuell 9 / 2004
Geschichten um das Down-Syndrom
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Erstinformation

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KIDS Aktuell 5 / 2002
Schule und Integration
Auszug aus der KIDS Aktuell 5/2002:
Eltern von Kindern mit Down-Syndrom stehen irgendwann vor der Frage: Welche Schule soll mein Kind besuchen?
Anläßlich des Seminars Gemeinsamer Unterricht mit Kindern mit Down-Syndrom haben wir von KIDS Hamburg e.V., Pädagogen und Eltern gebeten, uns in einem kleinen Beitrag den Schulalltag ihrer Schulklasse, resp. ihres Kindes zu schildern. Diese Beiträge sollen den Eltern von kleineren Kindern einen Einblick in einen möglichen Schulalltag bieten. - Wir möchten uns an dieser Stelle ganz herzlich für die interessanten Beiträge bedanken.

Integration an Hamburger Schulen
I-Klasse 1
I-Klasse 2
I-Klasse 3
I-Klasse 4
Sonderpädagogische Fördergruppe
Sonderschule

 

Integration an Hamburger Schulen
von Barbara Rick

Als Eltern eines Kindes mit Down-Syndrom stellt sich Ihnen irgendwann die Frage, welche Schulform für Ihr Kind geeignet ist. Wo kann es am besten gefördert und gefordert werden, wo besteht die größte Möglichkeit zur Integration? Ich möchte im Folgenden zunächst auf die organisatorischen Grundlagen der Integration an Hamburger Schulen eingehen, um anschließend einige Anmerkungen aus meiner persönlichen Erfahrung als Klassenlehrerin einer Integrationsklasse zu machen.

Erstmalig wurden im Schuljahr 1983/84 Integrationsklassen an Hamburger Schulen eingerichtet. Seit dem Schuljahr 1987/88 werden alle Integrationsklassen auch in der Sekundarstufe I fortgeführt, zum größten Teil an Gesamtschulen, aber auch an integrierten Haupt- und Realschulen. Derzeit gibt es an 27 Grundschulen oder Grundschulabteilungen insgesamt 108 Integrationsklassen. Für die weiterführende Schule werden an 24 Sekundarschulen 127 Integrationsklassen geführt. Die Klassengröße einer Integrationsklasse beträgt in der Regel 20 SchülerInnen, davon werden 4 Kinder mit Beeinträchtigungen aus dem Bereich Geistige Behinderung, Körperliche Behinderung und Sinnesbehinderung eingeschult. Es wird Wert auf die Verschiedenartigkeit der Behinderung gelegt, eine Ausgrenzung bestimmter Behinderungsarten oder -grade soll nicht stattfinden.

Ziel der Integrationsklassen ist das gemeinsame Lernen behinderter und nicht behinderter Kinder. Es versteht sich von selbst, dass dieses nicht bedeutet, dass alle Kinder einer Klasse prinzipiell zur gleichen Zeit das gleiche lernen und die gleichen Ziele erreichen müssen. Für die Kinder mit Behinderungen werden ergänzend zu den allgemeinen Richtlinien und Lehrplänen die Richtlinien der entsprechenden Sonderschulen herangezogen. Am Schuljahresende rücken diese Kinder, dem Integrationsprinzip folgend, auch ohne Versetzung mit ihrer Klasse in die nächste Klassenstufe auf.

Um der Unterschiedlichkeit der Lernstände und dem besonderen Förderbedarf der Kinder einer Integrationsklasse gerecht zu werden, sind hier 3 Pädagogen/Pädagoginnen für Erziehung und Unterricht zuständig. Neben der Grundschullehrerin arbeitet eine Erzieherin mit 3/4-Stelle und eine Sonderpädagogin mit 2,5 Wochenstunden pro behindertem Kind in der Klasse (zur Verdeutlichung: Besuchen 4 Kinder mit Behinderung eine Integrationsklasse, dann ist die Sonderpädagogin mit 10 Stunden für die Klasse eingeteilt). Die personelle Ausstattung soll eine durchgängige Doppelbesetzung gewährleisten.

Soweit die gesetzlichen Grundlagen, die auch im Hamburger Schulgesetz von 1997 verankert sind. Was bedeutet dieses aber nun in der Praxis; reichen diese Rahmenbedingungen aus, um eine wirkliche Integration zu ermöglichen? Nach nunmehr zweijähriger Tätigkeit als Klassenlehrerin einer Integrationsklasse sehe ich viele Dinge relativ kritisch. Das Gelingen der Integration sowie die bestmögliche Förderung der Kinder hängt von vielen Faktoren ab, die von außen nur schwer zu erkennen und zu beeinflussen sind. Häufig haben Kinder mit Geistiger Behinderung vor allem in Mathematik und Deutsch einen eigenen Lehrplan, an dem sie arbeiten, so dass sie hier nicht am Klassenunterricht (z.B. Erarbeitung eines neuen Inhaltes, Unterrichtsgespräch) teilnehmen. Solche Unterrichtsphasen gibt es in jeder Schulklasse. Je offener ein Unterricht jedoch konzipiert ist (Stichwort Freiarbeit, Wochenplan), desto seltener kommen solche gelenkten Unterrichtsphasen vor. In diesen Phasen kann es sinnvoll sein, die Kinder mit besonderem Förderbedarf räumlich getrennt einzeln (oder mit 2–3 Kindern gemeinsam) zu unterrichten. So kann einerseits eine sehr konzentrierte Arbeitsatmosphäre geschaffen werden. Andererseits kann es auch notwendig sein, mal lauter und mit Einsatz des Körpers zu lernen, was im Klassenraum nur bedingt möglich ist, um nicht zu viel Unruhe in die Klasse zu bringen. Ein Kind meiner Klasse, das das Down-Syndrom hat, kommt jedesmal sehr stolz und ausgeglichen aus der räumlich getrennten Einzelförderung in den Klassenraum zurück, da es in der ruhigen Arbeitsatmosphäre viel geschafft hat.

Die Schwierigkeit besteht nun für die Pädagoginnen darin, das richtige Maß zwischen Einzelförderung und Förderung im Klassenverband zu finden. Würden die Kinder zu häufig auch räumlich getrennt lernen, entstünde ein „Klasse in der Klasse“, was dem Prinzip der Integration widersprechen würde. Wichtig für die größtmöglichen Lernfortschritte der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf ist die Zusammenarbeit der Sonderpädagogin und der Erzieherin. In vielen Teams ist es so geregelt, dass die Sonderpädagogin speziell in Mathematik und Deutsch die grundsätzlichen Lernschritte der Kinder didaktisch und methodisch plant und in ihren dafür vorgesehenen Stunden auch durchführt. In ihrer Abwesenheit übernimmt die Erzieherin die Begleitung der Kinder und greift auf die Methoden und das Material der Sonderpädagogin zurück. Dieses erfordert einen intensiven Austausch und eine produktive Absprache vor allem zwischen der Sonderpädagogin und der Erzieherin. Gelingt dies, können die Kinder in allen Stunden gut gefördert und unterstützt werden. Bei persönlichen Unstimmigkeiten, die es bei einer Teamarbeit immer geben kann, und abweichenden didaktischen und methodischen Vorstellungen erschwert sich die Zusammenarbeit, was sich auch hemmend auf die Förderung der Kinder auswirken kann.

Generell denke ich, dass das Gelingen der Integration in hohem Maße von der Qualität der Zusammenarbeit der Pädagoginnen abhängt. Schaffen sie es, Unterrichtsinhalte miteinander abzusprechen und aufeinander zu beziehen, dann können die Kinder zum Beispiel im Sachunterricht trotz unterschiedlicher Lernstände am gleichen Thema arbeiten. Auch im Lernbereich Deutsch ist häufig eine thematische Übereinstimmung möglich; so kann jedes Kind auf seinem Niveau eine Geschichte schreiben, ein Buch lesen oder an dem jeweils aktuellen Rechtschreibwortschatz arbeiten. Hierfür ist es notwendig, relativ weit im Voraus zu planen, was nicht immer ganz einfach, aber sicher möglich ist. Problematisch wird es auch, wenn eine der Pädagoginnen erkrankt. An meiner Schule sind in letzter Zeit in zwei Klassen längerfristige Erkrankungen (über 2 Monate) aufgetreten. Es ist kaum möglich, Lehrerstunden aus anderen Klassen abzuziehen und zur Vertretung einzusetzen. Die Vertretung wird generell durch das Team gewährleistet. Das bedeutet aber zum Beispiel bei Erkrankung der Erzieherin, dass die Klassenlehrerin abgesehen von den 7,5 oder 10 Stunden, in denen die Sonderpädagogin anwesend ist, die Klasse alleine führt. In dieser Zeit versucht sie, den Klassenunterricht wie auch die Lernfortschritte der Kinder mit Förderbedarf im Blick zu haben. Dieses gelingt umso besser, je selbständiger diese Kinder schon arbeiten können. Eine intensive Begleitung und Förderung ist zu diesem Zeitpunkt aber nicht möglich, so dass es zu Verzögerungen im Lernfortschritt kommen kann.

Der Schulleiter meiner Schule versuchte in beiden Fällen, über die Schulbehörde eine kurzfristige Vertretung zu bekommen. Angeblich waren weder Stellen noch Personal frei, so dass er einen negativen Bescheid bekam. Soviel zur vorgesehenen und gewährleisteten Doppelbesetzung. Neben den Aspekten des Lernens stellt sich die Frage, ob es wirklich zu einer Integration
aller Kinder kommt. Hierfür ist es einerseits sicher wichtig, die Kinder so häufig wie möglich im Klassenverband zu fördern, andere Kinder als Lernpartner zu suchen und die Gemeinsamkeit des Lernens zu betonen. Andererseits kann durch die Schaffung eines guten Klassenklimas und der Betonung des Miteinanders ein Beitrag hierzu geleistet werden. Regelmäßige Partner- und Gruppenarbeiten, kooperative Spiele, gemeinsame freudvolle Erlebnisse und auch der Austausch im Klassenrat tragen zum gegenseitigen Verstehen und Achten bei. Einiges können die Pädagoginnen fördern und beeinflussen. Letztlich hängt es aber auch von den Kindern ab (und hier meine ich die nicht behinderten aber eben auch die behinderten Kinder), inwieweit wirklich alle Kinder als Teil der Klasse gesehen und zum Beispiel auch als Spielkameraden gesucht werden.

Ich denke, die Wahl der Schulform ist eine sehr individuelle und auf das Kind abgestimmte Entscheidung. Hilfreich sind sicher Hospitationen in den unterschiedlichen Schulformen, um sich ein eigenes Bild machen zu können, denn auch Berichte geben immer nur einen persönlichen Standpunkt wieder.

I-Klasse 1

D., 12 Jahre Grundschule und Gesamtschule in Hamburg
Als Mitglied von KIDS Hamburg e.V., Mutter einer jetzt 12-jährigen Tochter mit Down-Syndrom und Grundschullehrerin in einer Integrationsklasse in Hamburg habe ich sehr gerne die Aufgabe übernommen, Ihnen von unseren Erfahrungen zu berichten.
Unsere Tochter D. ist mit 3 Jahren in einen integrativen Kindergarten gegangen und wurde mit 6 Jahren in eine Integrationsklasse eingeschult, die nicht in unserem Wohnbezirk liegt. Damit diese Einschulung möglich wurde, haben wir sehr früh mit der Schulleitung und auch mit einer Erzieherin der Schule Kontakt aufgenommen.

D. wurde bei einem dieser Treffen auch der Klassenlehrerin der zukünftigen Integrationsklasse vorgestellt. Nachdem auch die Auswahlkommission bestehend aus dem Team der Integrationsklasse, der Schulleitung und dem Schulleiter einer benachbarten Sonderschule der Einschulung unserer Tochter zugestimmt hat, konnte es losgehen. Unsere Erfahrungen an dieser Schule und mit diesem Team sind durchweg sehr positiv. Die vier Grundschuljahre haben uns alle enorm bereichert; D. hat über das Lesenlernen besser sprechen gelernt und sie hat bis heute bestehende soziale Kontakte geknüpft und wir mit ihr.

Damit Sie die hiesige Situation in einer Integrationsklasse besser verstehen können, will ich zunächst einmal erklären, wie die Bedingungen in Hamburg sind. Eine Integrationsklasse besteht aus 20 Schülern von denen 3–4 Schüler behindert (verschiedenartige Behinderungen) sind. Sie werden immer von einem Team unterrichtet, das aus einer Grundschullehrerin, einer Sonderschulpädagogin und einer Erzieherin besteht. Das heißt, dass jede Unterrichtsstunde doppelt besetzt ist. Entweder ist die Sonderschulpädagogin mit 2,5 Stunden pro behindertem Kind oder die Erzieherin (3/4 Stelle) zusammen mit der Grundschullehrerin im Unterricht.

Da das Prinzip gilt, dass nicht alle Kinder zur gleichen Zeit das Gleiche lernen müssen, können die Kinder ihren Möglichkeiten entsprechend individuell gefördert werden. Natürlich werden die Kinder mit Integrationsstatus immer in die nächste Klassenstufe versetzt, auch wenn sie wahrscheinlich die Versetzungsbestimmungen nicht erfüllen. Die Leistungsbewertung für alle Kinder der Integrationsklasse kann in Berichtsform erfolgen. Das sind natürlich sehr gute Bedingungen, die sowohl den behinderten als auch den nicht-behinderten Kindern zugute kommen, zumal häufig eben gerade auch Kinder ohne Behindertenstatus große Auffälligkeiten aufweisen. Für diese guten Bedingungen machen sich Eltern in Hamburg seit 20 Jahren stark, und wir hoffen sehr, dass dies nicht durch die veränderte politische Situation in Gefahr gerät.

Nach vier sehr erfolgreichen Grundschuljahren geht D. seitdem auf eine ganz normale Gesamtschule, die in ihren meist fünfzügigen Jahrgangsklassen immer eine Integrationsklasse hat. Die Bedingungen bzgl. der Klassen- und Teambesetzung sind ähnlich, wobei jetzt in der 7. Klasse die Differenzierung für die nicht-behinderten Schüler schon sehr stark einsetzt, so dass die behinderten Kinder häufiger in einer kleinen Gruppe oder sogar im Einzelunterricht entsprechend ihren Fähigkeiten unterrichtet werden. Da D. weder dem Englisch-, noch dem Physikunterricht u.ä. folgen kann, hat sie z.B. die Möglichkeit an zwei Tagen stundenweise im Bistro der Schule zu arbeiten. Das ist lebenspraktischer Unterricht, der ihr sehr viel Spaß macht, und vielleicht ist es ja auch schon ein kleiner Wegweiser in eine mögliche Berufswelt.

Zusammenfassend können wir von unserer Familie sagen, dass wir unsere Entscheidung für Integration in keinem Moment bereut haben. Sicherlich ist unsere Zufriedenheit und unsere Zuversicht, dass wir auch weiterhin einen guten integrativen Weg gehen können, sehr von den Lehrerteams abhängig, die unsere Tochter betreut haben bzw. betreuen. Wir haben enormes Glück gehabt, sind von Lehrerwechseln und Querelen bisher verschont geblieben, hatten und haben stets das Gefühl, dass wir sehr in Entscheidungen einbezogen werden und über den alltäglichen Ablauf gut Bescheid wissen. Uns ist natürlich bewusst, dass eine derartig positive Situation nicht immer vorliegt und dass Integration auch sehr schwierig sein kann.

I-Klasse 2


P., 11 Jahre, Integrationsklasse einer Grundschule in Hamburg
Mein Sohn besucht jetzt im 4. Schuljahr einer Integrationsklasse in einer Grundschule. Um es vorweg zu nehmen, es ist dort nicht alles so gelaufen, wie es die Theorie, das Wunschdenken oder auch die Richtlinien der Schulbehörde vorsehen.

Meine größten Probleme waren:
- die Sonderschullehrerin dazu zu bringen, dass sie meinem Sohn Lesen, Schreiben und Rechnen beibringt;
- die Erzieherin dazu zu bringen, dass sie sinnvolle Materialien benutzt und auch ab und zu den Kontakt zu mir herstellt;
-die vorgesehenen Lehrkräfte auch in der Klasse zu halten, sehr oft wurde die Sonderschullehrerin für Krankheitsvertretungen in andere Klassen abgezogen.

Mein Sohn war an seiner Schule das erste Kind mit Down-Syndrom. Ich denke, dass bei den I-Kindern der vorher laufenden Klassen das intellektuelle Lernen nicht so ein Problem war bzw. dass sich von Seiten der Schule darauf beschränkt wurde, zu sagen „dabei sein ist alles“, aber mir war das eben nicht genug. Sehr positiv war das Verhalten und das Verhältnis zu den anderen Eltern, die sich bei Problemen auch sehr solidarisch gezeigt haben. Sehr positiv war auch die soziale Integration in die Klasse, die Mitschüler haben meinen Sohn gut „mitgenommen“, manchmal waren sie vielleicht sogar zu großzügig.

Von allen schulischen Möglichkeiten, die mein Sohn hatte, finde ich die Integration in eine Integrationsklasse trotz inhaltlicher und struktureller Mängel immer noch die, in der er am besten in den Kulturtechniken gefördert worden ist und in der er die größte Normalität und Selbständigkeit entwickeln konnte. Großen Anteil hieran hat auch, dass er einen „normalen“ Schulhort besuchen konnte.

Obwohl mit vielen Ängsten und Fragezeichen besetzt wird er auch von der 5. Klasse an die Integrationsklasse besuchen. Er geht dann in eine Gesamtschule. Ausschlaggebend war für mich, dass mindestens 5 weitere Kinder aus seiner Klasse mit auf die Gesamtschule gehen werden. Ein „harter Kern“ der bisherigen I-Klasse bleibt also erhalten, ein Aspekt, den man nicht vernachlässigen sollte. Wenn wir durch die Straßen rundum gehen oder im Bus fahren wird P. ganz oft von anderen Kindern gegrüßt oder gerufen. Er lebt in unserem Viertel und wird akzeptiert. Das ist ein großer Erfolg der Integration.

 

I-Klasse 3

J., 11 Jahre, Integrationsklasse einer Grundschule in Hamburg
J. wurde mit 6 Jahren Ende August 1998 eingeschult. Ich hatte mich für die Integration entschieden, weil er bereits im Integrationskindergarten war. Der sprachliche Anreiz und der Kontakt mit nichtbehinderten Kindern waren für mich ausschlaggebend.

Die zuständige Sonderschule hat zwar sehr schöne Räume und Möglichkeiten, aber die Einstellung dort hatte mich nicht überzeugt. So habe ich mich um einen Integrationsplatz in der Grundschule im angrenzenden Stadtteil beworben. Leider gibt es in unserem Stadtteil keine Schule mit Integrationsklassen. Es war lange ungewiss, ob mein Sohn überhaupt eine Chance hatte, aufgenommen zu
werden, zumal sich ein zweites Kind mit Down-Syndrom für einen Integrationsplatz in der gleichen Klasse beworben hatte. Aber – großes Glück! – die Aufnahmekommission hatte beide Kinder angenommen. In diesem Schuljahr war die Zahl der Integrationsplätze von drei auf vier erhöht worden.

Mein Sohn hat sich gut in seiner Schule eingelebt. Besonders beliebt ist der riesige Pausenhof, wo es viele Büsche und Bäume gibt und man sich gut verstecken kann. J. ist sehr beliebt, und er geht auch gern in seine Klasse. Er hat dort seinen Platz unter den Kindern gefunden. Die Methodik des Klassenteams hat mich nicht überzeugt. Es fehlte der berühmte rote Faden. Ich hatte den Eindruck, dass nichts so recht aufeinander aufbaute. Mal wurde dieses angeboten, mal jenes. In den ersten Jahre habe ich nicht nachvollziehen können, was J. eigentlich in der Schule macht. Hausaufgaben gab es nicht, bis wir Eltern angeregt haben, dass es für unsere Kinder gut sei, auch kleine Hausaufgaben zu erledigen, da sie halt viel, viel üben und wiederholen müssen. Auch fehlte die Erzieherin in den ersten drei Schuljahren sehr häufig, und es gab nicht immer Ersatz. Sie war diejenige des Teams, die in erster Linie
mit unseren Kindern mit Down-Syndrom gearbeitet hat. Die vorgegebenen Stunden Sonderpädagogik (2 Stunden wöchentlich pro Kind) sind knapp bemessen; diese Stunden kamen nicht den einzelnen I.-Kindern zugute, sondern flossen in den allgemeinen sozialen und integrativen Unterricht der gesamten Klasse (Regeln und Umgang miteinander erlernen etc.). Seitdem die Erzieherin im Erziehungsurlaub ist, partizipieren die Kinder jetzt direkt von den Sonderpädagogikstunden.

Das Lernen geht ganz langsam voran. J. kennt sämtliche Klein- und Großbuchstaben und schreibt große Druckbuchstaben. Er lautiert Worte, kann jedoch noch nicht den Sinn des Gelesenen erfassen. Sehr hilfreich ist das Lautgebärdenprogramm der Schule, das J. gut beherrscht. Er zählt bis ca. dreizehn und kennt die Zahlen. Vom Erlernen der Grundrechenarten ist er noch weit entfernt. Leider hat er fast das gesamte 3. Schuljahr aufgrund von Krankheiten gefehlt und damit viel versäumt. Sprachlich hat er gute Fortschritte gemacht.

Von einigen Ereignissen war ich sehr enttäuscht: Im Zeugnis der zweiten Klasse wird erwähnt, dass mein Sohn sich mit großer Ausdauer und Konzentration in der Leseecke aufhält. Übersetzt bedeutet dies: Er saß längere Zeit auf dem Sofa. Bei einer Schaukastenausstellung der Klasse wurde von unseren beiden Kindern mit Down-Syndrom nichts ausgestellt. Alle anderen Kinder hatten ein Buch erstellt für die Ausstellung. Nach Aussage des Teams war das Thema viel zu komplex und mein Sohn sei gleich nach nebenan gegangen. So hatte er nichts zum Ausstellen. Das hat mich wütend und traurig zugleich gemacht. Ich habe die Lehrer, davon eine integrativ ausgebildete Sonderpädagogin, darauf hingewiesen, dass sie doch etwas seinem Entwicklungsniveau entsprechendes hätten erarbeiten können. Immerhin stimmten sie mit mir überein, dass sie einen Fehler gemacht hätten. Eigentlich hätte so etwas nicht passieren dürfen. Und ich empfinde das immer noch als Skandal.

Auch vor der ersten entfernteren Klassenreise gab es ein Problem, da viele Kinde aus der Klasse nachts noch nicht trocken waren. Das Team wollte sich erst noch überlegen, ob es unter diesen Umständen überhaupt eine Reise mit Übernachtungen machen wollte. Es wurden sämtliche Eltern befragt, ob ihr Kind nachts einkoten oder einnässen würde. Wir Eltern haben uns schon sehr gewundert, dass so etwas in einer Integrationsklasse ein Problem sein könne. In anderen Integrationsklassen ist so etwas kein Thema.

Jetzt ist mein Sohn bereits in der vierten Klasse und das Ende der Grundschulzeit naht. Er wird sehr wahrscheinlich die Gesamtschule besuchen. Mein erster Eindruck der Schule war positiv. Es hat sich herauskristallisiert, dass alle vier I.-Kinder in die Gesamtschule überwechseln und vielleicht zwei oder drei weitere Kinder aus der Klasse. Wir werden diesen Schritt wagen nach dem Motto: wir versuchen es halt erst einmal. Ob dieser Schritt richtig ist oder ein Kompromiss (so geht es wahrscheinlich immer weiter) werden wir sehen.

I-Klasse 4

K.-L., 6 Jahre, Grund- und Hauptschule in Flensburg
Meine Tochter geht in Flensburg auf eine Grundschule in die erste Klasse. Für 5 Stunden kommt eine Sonderpädagogin in die Klasse, die versucht, K.-L. in die Gruppe der anderen 15 Kinder zu integrieren.

Mein Resümee nach einem halben Jahr: K.-L. bearbeitet noch den Stoff wie die anderen Kinder, sie hat die gleichen Hausaufgaben auf und schreibt so, wie auch andere in ihrer Klasse schreiben können. Natürlich können viele der Kinder schon besser lesen, schreiben und rechnen, aber das wäre ja auch komisch, wenn es nicht so wäre. Es gibt aber auch Kinder, die in vielen Dingen Schwierigkeiten haben, so dass unsere Tochter gerne helfend unter die Arme greift.

Von der Direktorin über die Lehrerinnen bis zu den Eltern der anderen Kinder sind alle total begeistert, wie viel meine Tochter bis jetzt in der Schule gelernt hat. Damit hätte keiner gerechnet. Für die Kinder ist sie ein ganz normales Mitglied des Klassenverbandes. Es hat noch kein Kind irgendetwas zu Hause erzählt, was nicht auch über andere Kinder erzählt wird.

Ich bin super glücklich mit der Schule, mit den Lehrerinnen und mit dem Klassenverband und könnte mir für mein Kind nichts Schöneres wünschen.

Sonderpädagogische Fördergruppe

C., 13 Jahre, Integrativer Unterricht (sonderpädagogische Fördergruppe), Hauptschule in Altenberge
C. ist in ihrer sprachlichen Entwicklung seit Einschulung deutlich voran gekommen. Sie musste sich mit den neuen Schulkollegen auseinandersetzen, sich bemühen, verstanden zu werden. Dies merkt man jetzt deutlich. In dem Selbständigkeits-Verhalten hat sie ebenfalls einen weiteren großen Fortschritt gemacht. Sie fährt mit dem Fahrrad rund 1 km zur Bushaltestelle, schließt ihr Fahrrad ab, wartet auf den richtigen Bus (öffentliche Bushaltestelle mit diversen Buslinien) und fährt zu ihrer Schule. Auf dem Rückweg läuft es ähnlich. Sie geht selbstständig zur Bushaltestelle (auch wenn der Zivi etwas achtet) und fährt dann mit dem richtigen Bus nach Laer zurück.

Einmal ist sie bereits vergessen worden, der Zivi war auf seinem Lehrgang, demnach nicht anwesend. C. blieb an der Bushaltestelle stehen, fest davon überzeugt, dass der nächste Bus noch kommen wird. Und, damit Du erkennst, dass die integrative Bewegung schon klassenübergreifend wirkt: Einem Mädchen aus der 10. Klasse fiel auf, dass C. nicht im Bus war. Sie machte den Busfahrer darauf aufmerksam, der wendete umgehend, fuhr zur Bushaltestelle zurück und sammelte unsere Tochter auch noch ein, die völlig gelassen einstieg und so tat, als sei nichts gewesen.

Eine andere Mutter eines Kindes aus dem 4. Schuljahr in Laer (dieses Kind war in dem Bus, weil die Schulklasse in Altenberge Schwimmunterricht hatte) erzählte mir später, dass ihr Sohn völlig überrascht darüber gewesen sei, wie gelassen und selbstverständlich C. an der Bushaltestelle gewartet habe, ohne Panik und Tränen. Das war für ihn das einschneidende Erlebnis.
In der Hauptschule Altenberge wurde ganz gegensätzlich zu anderen Schulen mit einer sonderpädagogischen Fördergruppe (SFG) angefangen zu unterrichten. Es begann – und läuft natürlich immer noch – mit 18 Stunden gemeinsamen Unterrichts, 7 Stunden bei der Sonderpädagogin Wochenplan-Arbeit, 5 Stunden Hausaufgaben-Betreuung, Sonderförderung. Einige der mit dem gemeinsamen Unterricht überrannten Lehrer der Schule waren zuerst etwas überrascht, was denn die Sonderpädagogin mit dem Kindern in seiner Klasse mache, inzwischen ist jedoch Normalität eingetreten, es läuft.

Die Klassenlehrerin der Partner- bzw. Zielklasse der SFG ist gleichzeitig die Konrektorin der Schule. Sie übernahm diese Klasse, da sie so oder so frei wurde und die Lehrerin, die sich um diese Klassenzuweisung bemüht hatte, schwanger wurde und damit ausfiel. Der Unterricht wird fast immer in der Partnerklasse eröffnet, egal ob die Klassenlehrerin oder die Sonderpädagogin anwesend ist. Dadurch wird viel Druck von der „Konrektorin“ genommen, da diese eben noch mal schnell etwas für den Schulablauf erledigen kann, ohne dass die Klasse darunter leidet. Die Kinder waren bei C. erster „Vorstellung“ äußerst überrascht. Dieses Kind konnte ihnen etwas vorlesen, wenn auch etwas kantig und nicht so deutlich. Dennoch verständlich. Sie erntete direkt Beifall, was sie sehr stolz machte.

Die Kinder gehen inzwischen mit C. schon fast normal um. Sie haben lernen müssen, dass dieses Kind, was nicht so gut spricht, dennoch gut „versteht“. Sie haben gelernt „nein“ zu sagen, gelernt es auch mal zu akzeptieren, dass sie den/die Mitschüler/in umarmt. Ein Lernprozess – für beide Seiten. Selbstverständlich wird auch C. mal geärgert oder gehänselt, aber welches andere Kind denn nicht? Es läuft inzwischen recht gut, aus meiner Sicht. Ich hoffe, die anderen Eltern bzw. Kinder sehen es auch so. Wo es noch fehlt geht es um die nachmittäglichen Verabredungen. Das ist halt recht schwierig, zwei Orte, schlechte Busverbindungen. Daran arbeiten wir so langsam.

Erst einmal war die Eingewöhnungsphase wichtig. C. muß im Unterricht so gut es geht aufpassen. Sie musste lernen, bei einer Klassenarbeit (einem Test) Ruhe zu halten, niemanden anzusprechen, ruhig selbst für sich zu arbeiten. Sie schafft es schon recht gut. Ansonsten kann ich nicht immer beurteilen, was sie so für sich verinnerlicht und behält, was an ihr vorübergeht. Ich bin trotzdem davon überzeugt, dass viele Dinge haften bleiben und irgendwann mal wieder parat sind. Sie kann ein Skelett benennen, lernt Geschichte und – man soll es nicht für möglich halten – kann im Religionsunterricht, der äußerst öde nach Buch läuft, Ruhe halten. Dabei liebt sie Kirche über alles. Da müsste der Reli-Lehrer wohl erst einmal entsprechend weitergebildet werden. Die Konrektorin erklärte mir letztens noch auf einer Schulkonferenz, dass sie mit einigen Vorbehalten an den gemeinsamen Unterricht herangegangen sei. Das ist – meiner Einschätzung nach – völlig legitim. Inzwischen habe aber das System bei ihr an Akzeptanz gewonnen. Sie sei schon fast völlig davon überzeugt. Sie habe gelernt, was es heißt, mit der Andersartigkeit zu leben. Sie sei schon fast glücklich, den Schritt gewagt zu haben. Das Sozialverhalten der Klasse sei völlig o.k. Super, oder?

Insgesamt können wir nur schwärmen. Natürlich gibt es auch mal Momente, wo man sich ärgert. Aber: An welcher Schule ist das nicht? Wir sind nach wie vor davon überzeugt, das Richtige für C. getan zu haben. Auch wenn die Nachmittage nun nicht mehr ganz so ausgefüllt sind wie in der Grundschulzeit, in der Sondereinrichtung wäre das Thema auch da, wenn auch etwas später am Nachmittag. Wir glauben sicher, das C. so viel lernt, dass sich ihre Selbständigkeit voll entfalten kann und alle Kinder den normalen Umgang miteinander lernen, auch hier an erster Stelle C. Das ist für uns der wichtigste Aspekt neben der Selbständigkeit. Das war unser kleiner Bericht, einige Wochen nach Beginn der sonderpädagogischen Fördergruppe an der Hauptschule Altenberge. Ich hoffe, er war auch nur einigermaßen objektiv.

P.S.: C. freut sich auf jeden Schultag. Jeden Tag geht sie gern, und ohne Probleme werden auch die Hausaufgaben erledigt. Auch zwei wichtige Aspekte.

Sonderschule


S., 14 Jahre Sonderschule in Bad Neustadt
Unsere Tochter geht in eine Schule für geistig behinderte Kinder. Leider war eine Integration in eine normale Schule nicht möglich, da wir in Bayern von solchen Ideen noch weit entfernt sind. Der Schulbesuch ist in unseren Augen nur deshalb erfolgreich, weil von uns Eltern die Leistungsgrenze unseres Kindes immer wieder neu ausgelotet wird, ohne es dabei zu überfordern.

Gerade das Unterrichten in relativ homogenen Gruppen von behinderten Kindern lässt viele Lernmöglichkeiten, die zwischen nicht behinderten Kindern existieren, erst gar nicht entstehen. Durch diese Art der Beschulung werden sogenannt behinderte Kinder noch mehr behindert, da sie von einem grossen Teil der Alltagsnormalität ausgeschlossen sind.

Mit Bedauern stellen wir auch fest, dass die Binnenkultur einer solchen Schule dazu neigt, Behinderungen zu fördern, da auch dem Lehrpersonal manchmal der Blick für normales Schulleben verloren geht. Man zieht sich gerne zurück in eine betuliche Behindertenatmosphäre, wo es allen gut geht, wo aber manchmal die Alltagstauglichkeit auf der Strecke bleibt.

 

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